Cluster-Kopfschmerz Diagnose
Aus CK-Wissen
Die Cluster-Kopfschmerz Diagnose erfolgt durch Befragung des Patienten und durch Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) aufgrund der spezifischen Symptome. Diese sind in der IHS-ICHD-II Klassifikation 3.1 Cluster-Kopfschmerz definiert[1]. Spezielle Laboruntersuchungsmethoden stehen nicht zur Verfügung. Cluster-Kopfschmerz ist also eine Erkrankung, die auf der Basis der Beschwerden diagnostiziert wird. Apparative Untersuchungsmethoden tragen nicht zur Diagnose bei, sondern sind nur dann erforderlich, wenn eine andere Erkrankung zweifelsfrei ausgeschlossen werden soll. Auch elektrophysiologische, laborchemische und Liquoruntersuchungen (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) helfen diagnostisch meist nicht weiter und dienen dem Ausschluss anderer Erkrankungen.[2] Ein symptomatischer Cluster-Kopfschmerz zeigt die gleichen Symptome wie der Cluster-Kopfschmerz, hat aber eine andere Ursache.
Mit Hilfe der bildgebenden Verfahren Craniale Computertomographie (CCT) und Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie MRT) sowie durch die Elektroenzephalografie (EEG) können andere Krankheiten, wie zum Beispiel Tumoren, Hirnblutungen und Entzündungen ausgeschlossen werden. Weiterhin ist differentialdiagnostisch zwischen Cluster-Kopfschmerz und anderen primären Kopfschmerzformen wie der Migräne, Paroxysmaler Hemikranie, Hypnic Headache, Hemicrania Continua, sowie der Trigeminusneuralgie oder einem Glaukomanfall zu unterscheiden.
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Diagnostische Kriterien
Wenigstens 5 Attacken, welche die nachfolgenden Kriterien erfüllen:[1]
- Starke oder sehr starke einseitig lokalisierte Schmerzattacken im Bereich im oder über der Augenhöhle und/oder der Schläfengegend, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten. Während eines Teils, aber bei weniger als der Hälfte des Zeitverlaufes des Cluster-Kopfschmerzes können die Attacken weniger schwer sein und/oder kürzer oder länger andauern.
- Begleitend tritt wenigstens eines der nachfolgend angeführten Merkmale auf:
- gerötete Bindehaut des Auges (konjunktivale Injektion)
- tränendes Auge (Lakrimation)
- ein Lidödem
- verengte Pupille (Miosis)
- ein hängendes Augenlid (Ptosis)
- laufende und/oder verstopfte Nase (nasale Rhinorrhoe und/oder Kongestion)
- Schwitzen im Bereich der Stirn oder des Gesichtes
- körperliche Unruhe oder Agitiertheit.
- Die Symptome 1 - 7 erscheinen meist nur auf der schmerzenden Kopfseite.
- Die Attackenfrequenz liegt zwischen einer Attacke jeden zweiten Tag und acht Attacken pro Tag. Während eines Teils, aber bei weniger als der Hälfte des Zeitverlaufes des Cluster-Kopfschmerzes können die Attacken seltener auftreten.
- Der Kopfschmerz ist nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen. Vorgeschichte, körperliche und neurologische Untersuchungen geben keinen Hinweis auf eine der unter Kapitel 5 bis 12 der IHS Klassifikation aufgeführten Erkrankungen oder Vorgeschichte und/oder körperliche und/oder neurologische Untersuchungen lassen an eine solche Erkrankung denken, doch konnte diese durch geeignete Untersuchungen ausgeschlossen werden oder eine solche Erkrankung liegt vor, die Kopfschmerzen traten jedoch nicht erstmals in engem zeitlichen Zusammenhang mit dieser Erkrankung auf.
Episodischer Cluster-Kopfschmerz
Cluster-Kopfschmerzattacken treten in Perioden mit einer Dauer von 7 Tagen bis 1 Jahr auf, die von schmerzfreien Episoden von einem Monat Dauer oder länger unterbrochen werden. Clusterperioden halten üblicherweise 2 Wochen bis 3 Monate an. Die Dauer der Remissionsperioden wurde in der Definition der 2. Auflage der Internationalen Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen (IHS ICHD-II) im Jahre 2004 auf ein Minimum von einem Monat erhöht.[1]
Chronischer Cluster-Kopfschmerz
Cluster-Kopfschmerzattacken treten über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr ohne Remission bzw. mit Remissionsphasen von weniger als einem Monat Dauer auf. Der chronische Cluster-Kopfschmerz kann de novo entstehen, früher als primär chronischer Cluster-Kopfschmerz bezeichnet oder aus der episodischen Form übergehen, früher als sekundär chronischer Cluster-Kopfschmerz bezeichnet. Bei einigen Patienten kann sich aus einem chronischen Cluster-Kopfschmerz die episodische Form entwickeln.[1]
Diagnostik bei Cluster-Kopfschmerz
Notwendige Diagnostik.[3]
- Neurologische körperliche Untersuchung
- Überprüfung des Blinkreflexes, wenn klinischer Hinweis auf Schädigung des Nervus Trigeminus besteht
- Ausschluss eines Glaukoms
- Bildgebende Diagnostik bei Erstmanifestation, auffälliger neurologischer Untersuchung und bei untypischer Symptomatik
- Die Indikation zur Bildgebung sollte niedrigschwellig gestellt werden.
Weiterführende Diagnostik[3]
Bei erstmaligem Auftreten
- Craniale Computertomographie (CCT) der Schädelbasis zum Ausschluss z.B. von Metastasen
- Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels einschließlich des Hals-/Schädel (kraniozervikalen) Überganges zum Ausschluss mitteliniennaher Veränderungen
- Magnetresonanzangiographie zum Ausschluss arterio-venöser Ursachen
- ggf. Liquoruntersuchung zum Ausschluss entzündlicher Erkrankungen.
Indometacin-Test
Um eine Paroxysmale Hemikranie oder eine Hemicrania continua auszuschliessen oder zu bestätigen, kann ein Behandlungsversuch mit Indometacin durchgeführt werden. Das Ansprechen auf diese Substanz ist diagnostisch wegweisend für diese beiden Erkrankungen. Indometacin hat bei Cluster-Kopfschmerz keine Wirkung. Bereits nach einer Woche, oft innerhalb von 3 Tagen, ist unter der Medikation mit Indometacin mit einem deutlichen Rückgang der Beschwerden zu rechnen, falls eine Paroxysmale Hemikranie oder eine Hemicrania continua vorliegt.[3][4]
Nitroglyzerin-Provokationstest
Ethisch umstritten und nicht zu 100% zuverlässig ist der Nitroglyzerin-Provokationstest. Während einer Clusterperiode kann bei 70 – 80 % der Patienten eine Clusterattacke durch Gabe von sublingualem Nitroglyzerin (Glycerintrinitrat) ausgelöst werden. Für eine erfolgreiche Provokation einer solchen iatrogen ausgelösten Attacke ist es erforderlich, dass innerhalb der letzten acht Stunden keine Attacke aufgetreten ist, dass innerhalb der letzten 24 Stunden keine Adern verengenden Substanzen eingenommen wurden und dass keine medikamentöse Prophylaxe betrieben wird. Nach Gabe von 1 mg Nitroglyzerin sublingual lässt sich dann oft, aber nicht bei allen Patienten, innerhalb von 30 bis 60 Minuten die Attacke auslösen.[5] Der Test wird als positiv angesehen, wenn die dadurch verursachte Attacke den klinisch spontanen Clusterattacken entspricht. Der Nitroglyzerin-Test lässt sich nicht einsetzen, wenn sich der Patient in einer Remissionsphase befindet. Auch Migräneattacken können durch einen solchen Nitroglyzerin-Test ausgelöst werden.[6][7] Der Nitroglyzerin-Provokationstest wird in den aktuellen Leitlinien der DMKG[2] , der DGN[3] und der EFNS[8] nicht mehr erwähnt.
Zitat aus der IHS-ICHD-II Klassifikation 3.1:[1] "Während einer Clusterperiode und bei der chronischen Verlaufsform können Attacken regelmäßig durch Alkohol, Histamin oder Nitroglyzerin ausgelöst werden."
Siehe auch
Kopfschmerz - Online Selbsttests
- netdoktor.de
- Focus-Online
- Deutsches Grünes Kreuz
- stern.de Symptom-Check Kopfschmerz
- Apotheken-Umschau: Kopfschmerz-Schnelltest nach Professor Dr. Hartmut Göbel
Literatur
- Limmroth, Volker: Kopf- und Gesichtsschmerzen. Schattauer, Stuttgart, 2007 ISBN 3-7945-2319-9
- May A, Leone M, Áfra J, Linde M, Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. European Journal of Neurology. 2006; 13: 1066–1077. PMID 16987158, PDF-Datei. DOI
- Krings, Timo; Block, Frank; Hans, Franz-Josef; Möller-Hartmann, Walter; Thron, Armin: Bildgebende Diagnostik bei der Abklärung des Kopfschmerzes. Dtsch Arztebl. 2004; 101(45): A-3026–3035. Online.
- Diener HC, Gendolla A, Katsarava Z.: Diagnose und Therapie von Kopf- und Gesichtsschmerzen. Der Internist (Berlin). 2008 Oct 10. [Epub ahead of print] PMID 18843470 DOI
- De Luca GC, Bartleson JD (April 2010). "When and how to investigate the patient with headache". Semin Neurol 30 (2): 131–44. doi:. PMID 20352583.
- May A, Jürgens TP (May 2010). "Diagnose und Therapie chronischer Kopfschmerzen". Nervenarzt. doi:. PMID 20464540.
Externe Links
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e IHS/ICHD-II Klassifikation 3.1 Cluster-Kopfschmerz
- ↑ a b Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen und anderen Trigemino-Autonomen Kopfschmerzen (PDF-Datei)
- ↑ a b c d Hans-Christoph Diener (Herausgeber): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie: Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen. S. 567-572. Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008; ISBN 3-13-132414-7 Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- ↑ Hans-Christoph Diener (Herausgeber): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Therapie des episodischen und chronischen Spannungskopfschmerzes und anderer chronischer täglicher Kopfschmerzen; 4. überarbeitete Auflage 2008, S. 654 ff, ISBN 978-3-13-132414-6; Georg Thieme Verlag Stuttgart. Online bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- ↑ DMKG - Die Therapie des Cluster-Kopfschmerzes (1998)
- ↑ Peters, GA.: Migraine: diagnosis and treatment with emphasis on the migraine-tension head-ache, provocative tests and use of rectal suppositories. Proc Staff Meet Mayo Clin. 1953; 28(24): 673-86. PMID 13121092.
- ↑ Sances G, Tassorelli C, Pucci E, Ghiotto N, Sandrini G, Nappi G.: Reliability of the nitroglycerin provocative test in the diagnosis of neurovascular headaches. Cephalalgia. 2004 Feb; 24(2): 110-9. PMID 14728706. Comment Jes Olesen: PMID 16033392.
- ↑ May A, Leone M, Áfra J, Linde M, Sándor PS, Evers S, Goadsby PJ.: EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminalautonomic cephalalgias. European Journal of Neurology. 2006; 13: 1066–1077. PMID 16987158, PDF-Datei. DOI
Hinweis: Dieser Artikel basiert zum Teil auf einem Text, der aus der freien Enzyklopädie Wikipedia übernommen wurde. Eine Liste der ursprünglichen Autoren befindet sich auf der Versionsseite des
Wikipedia Artikels Cluster-Kopfschmerz.
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