Memantin

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Memantin ist ein nichtkompetitiver NMDA-Rezeptor-Antagonist und wird zur Behandlung von Demenz-Formen vom Alzheimer-Typ eingesetzt. Aufgrund seines spezifischen Bindungsverhaltens am NMDA-Rezeptor blockiert Memantin Glutamat-Wirkungen im zentralen Nervensystem.[1][2] Glutamat ist ein Neurotransmitter im zentralen Nervensystem, der auch mit Migräne und Cluster-Kopfschmerz in Verbindung gebracht wird.[3][4] Es gab bereits Pilotstudien und Fallberichte zur vorbeugenden Behandlung mit Memantin bei der Migräne.[5][6][7]

Memantin bei Cluster-Kopfschmerz

Im Oktober 2010 berichteten Elisabetta Venturelli, Renata Rao und Andrew Charles anlässlich des 2nd European Headache and Migraine Trust International Congress über die vorbeugende Behandlung mit Memantin bei Cluster-Kopfschmerz.[8] Behandelt wurden fünf an der episodischen Verlaufsform und fünf an der chronischen Verlaufsform erkrankte Patienten im Alter von 26 bis 78 Jahren, darunter eine Frau. Bei allen zehn Patienten hatten die üblichen vorbeugenden Medikamente keinen Erfolg gezeigt.

Bei fünf Patienten wurde Memantin als zusätzliche vorbeugenden Behandlung gegeben, bei den fünf anderen Patienten als alleinige vorbeugende Medikation. Die Behandlung erfolgte mit 20 mg Memantin pro Tag über eine Dauer von 1 bis 12 Monaten. Die Attackenhäufigkeit der Patienten vor der Behandlung mit Memantin reichte von 1 bis 5 Attacken pro Tag, Mittelwert 2,1. Es wurde eine retrospektive, beschreibende Analyse der Daten durchgeführt.

Fünf von zehn Patienten berichteten eine Remission, davon vier der an der episodischen und einer der an der chronischen Verlaufsform erkrankten Patienten. Zwei Patienten erfuhren eine Remission nach nur einem Monat der Behandlung. Vier der an der chronischen Verlaufsform erkrankten Patienten berichteten eine mehr als 50%ige Reduktion der geschätzten Anzahl der monatlichen Kopfschmerzattacken. Kein Patient beendete die Behandlung mit Memantin aufgrund von Nebenwirkungen.

Die Autoren schließen aus den Ergebnissen der retrospektiven, nicht placebokontrollierten Studie, dass Memantin eine wirksame Therapie für Patienten mit Cluster-Kopfschmerz sein könnte, wenn die derzeitigen Standardtherapien versagen oder nicht vertragen werden. Prospektive, placebokontrollierte Studien seien gerechtfertigt.[8]

Handelsformen

Memantinhydrochlorid gibt es rezeptpflichtig in Form von Filmtabletten oder als Tropfen zum Einnehmen. Handelsnamen: Abixa®, Akatinol®, Axura®, Ebixa®, Namenda®, Memox®.

Unerwünschte Wirkungen

In klinischen Studien bei leichter bis schwerer Demenz, in denen 1784 Patienten Memantin und 1595 Patienten Placebo erhielten, unterschied sich die Gesamthäufigkeit unerwünschter Ereignisse unter Memantin nicht von derjenigen in der Placebogruppe. Die unerwünschten Ereignisse waren im Allgemeinen leicht bis mittelschwer. Die am häufigsten aufgetretenen unerwünschten Ereignisse mit einer höheren Inzidenz in der Memantin-Gruppe als in der Placebogruppe waren Schwindel (6,3% vgl. mit 5,6%), Kopfschmerzen (5,2% vgl. mit 3,9%), Verstopfung (4,6% vgl. mit 2,6%) und Schläfrigkeit (3,4% vgl. mit 2,2%).[9] Weitere Informationen über unerwünschte Wirkungen, Kontraindikationen, Interaktionen, Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen siehe z.B. Axura® Fachinformation des Arzneimittel-Kompendiums der Schweiz® (PDF-Datei)

Literatur

  • Park, JW.; Suh, GI.; Shin, HE.; Park, GE. (Mar 2012). "Influence of memantine on nociceptive responses of the trigeminocervical complex after formalin injection.". Cephalalgia 32 (4): 308-16. doi:10.1177/0333102411435986. PMID 22290557. 

Siehe auch

Externe Links

Einzelnachweise

  1. Rogawski, MA; Wenk GL (2003). "The neuropharmacological basis for the use of memantine in the treatment of Alzheimer's disease". CNS Drug Rev 9 (3): 275–308. doi:10.1111/j.1527-3458.2003.tb00254.x. PMID 14530799. 
  2. Robinson, DM; Keating GM (2006). "Memantine: a review of its use in Alzheimer's disease". Drugs 66 (11): 1515–34. doi:10.2165/00003495-200666110-00015. PMID 16906789. 
  3. Hartmut Göbel: Die Kopfschmerzen: Ursachen, Mechanismen, Diagnostik und Therapie in der Praxis. Seite 239-241. Springer. Berlin; 2. bearb. Auflage 2004. ISBN 3540030808 Google Books
  4. Storer RJ, Goadsby PJ (1999). "Trigeminovascular nociceptive transmission involves N-methyl-D-aspartate and non-N-methyl-D-aspartate glutamate receptors". Neuroscience 90 (4): 1371–6. doi:10.1016/S0306-4522(98)00536-3. PMID 10338304. 
  5. Bigal M, Rapoport A, Sheftell F, Tepper D, Tepper S (October 2008). "Memantine in the preventive treatment of refractory migraine". Headache 48 (9): 1337–42. doi:10.1111/j.1526-4610.2008.01083.x. PMID 19031499. Kommentar in der DMKG KS-News 4/2008, Seite 13-14.
  6. Krymchantowski A, Jevoux C (February 2009). "Memantine in the Preventive Treatment for Migraine and Refractory Migraine". Headache. doi:10.1111/j.1526-4610.2009.01349.x. PMID 19220505. 
  7. Charles A, Flippen C, Romero Reyes M, Brennan KC (September 2007). "Memantine for prevention of migraine: a retrospective study of 60 cases". J Headache Pain 8 (4): 248–50. doi:10.1007/s10194-007-0406-7. PMID 17901918. 
  8. 8,0 8,1 Venturelli E, Rao R, Charles A (October 2010). "Memantine for prevention of cluster headache: a possible new treatment? in Abstracts of the 2nd European Headache and Migraine Trust International Congress (EHMTIC). October 28-31, 2010. Nice, France". J Headache Pain 11 (Suppl 1): S63. doi:10.1007/s10194-010-0259-3. PMID 21049310. 
  9. Axura® Fachinformation des Arzneimittel-Kompendiums der Schweiz®